Veranstaltung: | LDK-Celle-2025 |
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Tagesordnungspunkt: | 9. Weitere Anträge |
Antragsteller*in: | Kreisverband Diepholz (dort beschlossen am: 05.03.2025) |
Status: | Zurückgezogen |
Eingereicht: | 06.03.2025, 09:11 |
WA1: Humusaufbau zur Co2 - Reduzierung
Antragstext
Hiermit wird die Landesregierung beauftragt, deutlich zum Humusaufbau und -
erhalt beizutragen.
Die Landesregierung sollte im Interesse der Allgemeinheit Maßnahmen stärker
fördern, die zum Humusaufbau bzw. –erhalt beitragen. Es braucht ein faires und
transparentes Honorierungssystem für Bodenaufbau durch Landwirt*innen. Dieses
muss eine "Rückversicherung" enthalten, denn auch wenn Landwirte regenerative
Maßnahmen anwenden, aber der Humusaufbau langsamer vonstattengeht als gedacht,
oder sehr verzögert erst nach Jahren eintritt, müssen die Landwirt*innen für
ihre Mühen honoriert werden. Gleichzeitig darf das System kein Greenwashing
begünstigen und muss daher maximal transparent gestaltet werden. Unternehmen und
Privatleute, die Zertifikate erwerben, müssen über ein unabhängig geprüftes
Berechnungsportal nachweisen, dass sie ihren CO2-Fußabruck bereits maximal
gesenkt haben und nur noch "unvermeidbare" Emissionen kompensieren. Das Projekt
"Humus-Klima-Netz" muss ausgeweitet und für weitere Betriebe geöffnet werden.
Die Förderung dafür muss anhalten und es müssen noch ambitioniertere Maßnahmen
als die aus dem jetzigen Katalog gefördert und honoriert werden.
Begründung
Der jüngste Bericht des Weltklimarates IPCC stellt klar: Wenn die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll, müssen in diesem Jahrhundert mehrere Hundert Gigatonnen des Treibhausgases CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Die Anreicherung von Kohlenstoff in Form von Humus gehört zu den wenigen Klimaschutzmaßnahmen, die nicht nur Emissionen vermeiden, sondern diese sogar rückgängig machen können (negative emissiontechnology).
So geht das Umweltprogramm der UN davon aus, dass durch Humus mehrende Bewirtschaftungsmethoden jedes Jahr bis zu 4.8 Gt CO2e gespeichert werden können. Darüber hinaus erhöht Humusaufbau die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber den Folgen des Klimawandels. Sie wirkt sich positiv auf die Biodiversität im Boden, auf die Wasserspeicherkapazitäten und damit auf den Hochwasserschutz sowie auf die Ertragsstabilität aus.
Mit der vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen „Bodenzustandserhebung Landwirtschaft“ hat das Thünen-Institut im November 2018 erstmalig eine umfassende und repräsentative Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte in den landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands vorgelegt. Insgesamt sind hier über 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Damit wird die große Bedeutung der Agrarböden für den Klimaschutz hervorgehoben.
Bei der genaueren Betrachtung zeigt die Bodenzustandserhebung jedoch auch eine bedenkliche Entwicklung: Trotz Cross-Compliance Bestimmungen (Erhaltung des Anteils der organischen Substanz im Boden, GLÖZ 6) und der Greening-Prämie im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik sowie durch verschiedene GAK bzw. ELER-Maßnahmen gefördert zeigen die Monitoring-Ergebnisse, dass es in den letzten zwei Dekaden in Deutschland zu keiner Steigerung des Humusanteils in landwirtschaftlich genutzten Böden gekommen ist. Ganz im Gegenteil wurde auf den Ackerflächen sogar ein Humusabbau festgestellt, während in Grünlandböden der Humusvorrat in etwa gleichgeblieben ist. Mit dem Humus geht unseren Böden Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen der Klimakrise verloren.
Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands ist landwirtschaftlich genutzte Fläche. Sie bestand 2023 zu gut 70 % aus Ackerland, zu 28 % aus Dauergrünland. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist seit der vorangegangenen Landwirtschaftszählung 2010 um 12 % auf 263 500 Betriebe gesunken.
Dieser erschreckende Trend des „Bauernsterbens“ oder des Verschwindens der „bäuerlichen Landwirtschaft“ in Deutschland wird sich zukünftig fortsetzen, wenn die Betriebe weiterhin unter enormem wirtschaftlichem Druck stehen. Eine sehr herausragende Bedeutung würde dagegen eine stärkere Honorierung der Landwirtschaft für Umweltdienstleistungen einnehmen! Die Wirkung gezielter flächendeckender Maßnahmen in der Landwirtschaft wäre aufgrund der sehr großen Flächenanteile im Vergleich zu den meisten bisherigen Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen von enormer Tragweite. Die bestehenden landwirtschaftlichen Förderprogramme für Umwelt- und Ressourcenschutzmaßnahmen genügen offensichtlich bei weitem nicht, um die Betriebe ernsthaft zu motivieren, aktiver für Klima-, Boden- und Gewässerschutz sowie für die Erhaltung der Biodiversität einzutreten.
Bodenschutz hat eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung! Deshalb sollte die Bindung von CO2 und die Klimaanpassung durch Humus gesellschaftlich bezahlt werden. Bodenanalysen würden einen Humus-Nachweis erbringen.