Die Menschen in unseren Dörfern fühlen sich in zunehmendem Maße durch „die Politik“ belästigt. Vor allem von Grüner Politik und durch uns Grüne. Sie fühlen sich persönlich nicht abgehängt. Sie fühlen sich bevormundet oder gar bedroht, weil sie annehmen, wir wollen ihnen „ins Haus hinein regieren“. Dafür mögen sie uns nicht oder hassen uns sogar. Mehr als in den Städten wählen sie dann AfD, weil die Klimaleugner ihnen vorgaukeln, dass das fossile Leben fortgeführt werden kann.
Die Energiewende findet im ländlichen Raum statt. Auch die Wärmewende (zersiedelte Einfamilienhäuser statt dicht bewohnter Quartiere macht zentrale Wärmeversorgung komplizierter) und die Verkehrswende (die Ablösung des Individualverkehrs durch ausreichende öffentliche Verkehrsangebote und Sharing-Angebote ist erforderlich aber schwieriger) werden auf dem Land anders stattfinden als in den Städten. Das Gefühl, bevormundet zu werden, keine Veränderung zu wollen und dann auf „einfache Lösungen“ der Klimaleugner zu hoffen ist zunächst eine normale Reaktion auf Veränderungsdruck. Auf diese Reaktion müssen wir angemessen reagieren.
Natürlich brauchen wir Klimaschutz, Energie- Wärme- und Verkehrswende auch auf dem Land. Genau deshalb brauchen wir auch das Verständnis dafür, dass es diese wahrgenommene Bedrohung bzw. Bevormundung gibt und nicht ein Gefühl des abgehängt-seins im Vordergrund steht (siehe [1]). Das ist wichtige Voraussetzung dafür, grüne Politik als hilfreich für „Gutes Leben auf dem Land“ erkennbar machen zu können. Und es ist Voraussetzung dafür, „Grüne Wege für wirtschaftlich stabile und attraktive ländliche Räume“ deutlich und unterscheidbar zu den Wegen (soweit vorhanden) anderer Parteien machen zu können. Damit wir ehrlich und glaubwürdig und im Bündnis mit anderen unsere Ziele und Wege vertreten können und dafür dann auch gewählt werden. Deshalb schlagen wir vor, den betreffenden Satz zu ersetzen. „Grüne Wege für ländliche Räume“ müssen erkennbar und unterscheidbar gemacht werden: für Wärmewende und Energiewende, soziale Gerechtigkeit und Daseinsvorsorge, Angebote für die Jugend, Natur- und Artenschutz. Zu einzelnen Punkten wird es weitere Anträge geben.
[1]: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung 2024, Zusammenfassende Analyse der Lebensverhältnisse, S. 122ff.